Platter Reifen im Regen beim Maratona di Roma

Christian Triendl folgte nur eine Woche nach seiner überzeugenden Wiederwahl in den Warngauer Gemeinderat seiner zweiten Leidenschaft: Handbike-Marathonrennen vor allem in Italien, der Heimat seiner Frau Chiara. Am 23.03.2014 war es der Maratona di Roma.
Leider hatte aber der Wettergott wieder einmal kein Einsehen. Christian begab sich also mit der Hilfe seiner Frau in sein Rad und 5 Minuten später begann es wie aus Kübeln zu schütten. Wenigstens hatte es angenehme 16 Grad, so dass die Sportler wenigstens nicht zu stark der Kälte ausgesetzt waren.
Nachdem sich Christian über einige Schleichwege im Startbereich am Kollosseum eingefunden hatte, begann er sich wie alle seine Mitstreiter warm zu fahren. Dort hatte er auch Gelegenheit, den ehemaligen Formel-1-Rennfahrer und Teamkollegen von Michael Schuhmacher und nach seinen Beinamputationen mehrmaligen Olympiasieger im Handbike Alessandro Zanardi aus nächster Nähe zu bewundern. Er konnte auch bei einem kleinen Plausch mit anderen Handbike-Kollegen zuhören und kann nur bestätigen, dass es ein sehr sympathischer Sportskollege ist. Zumal er durch seinen hohen Bekanntheitsgrad dem Handbike-Sport sehr gut tut. Wahnsinn, wie viele Kameras auf ihn gerichtet waren.
Etwa 15 Minuten vor dem Start wurden die Teilnehmer dann rüde aufgefordert, Aufstellung einzunehmen, damit alle 82 Mann pünktlich um 8:40 Uhr starten konnten. Es war halt arg unangenehm, nur in Radklamotten ungeschützt 15 Minuten im Regen zu stehen. Endlich fiel der Startschuss und die wilde Fahrt begann. Erst einmal ging es gut einen Kilometer leicht fallend mit guten 40 Kilometern pro Stunde über das holprige, römische Kopfsteinpflaster. Hier kam Christian schon mal der erste Gedanke, ob das wohl seine Reifen aushalten würden. Das taten sie und die Strecke führte dann gleich mal zwei Kilometer bergauf. Durch die massive Geschwindigkeitsreduktion von 40 runter auf circa 18 Kilometer pro Stunde, verflogen die Gedanken über das Wohlbefinden der Reifen. Christian reihte sich ungefähr als Fünfzehnter ein, suchte sich das Hinterrad von Raimund Thaler (Italienischer Top-Ten-Fahrer) und versuchte mit dieser Gruppe mitzufahren. Dies gelang leider nur bedingt und er musste bei Kilometer 7 während des zweiten der unzähligen Anstiege abreißen lassen. Um in dieser Kategorie mitfahren zu können, braucht es noch eine ganze Menge Trainingskilometer. Das ist Fakt.
Christian setzte also mit noch einem Mitstreiter alleine den Weg fort. Sein Partner konnte aber wegen eines Reifenschadens nicht mehr weiterfahren und so war er erst einmal allein. Bei Kilometer 12 wieder bergab über ein mörderisches Kopfsteinpflaster fahrend, holte ihn dann eine Gruppe von zwei Fahrern ein. Denen zu folgen, war nicht weiter tragisch, zumal es ja leicht abfallend ging. Allerdings war Christian in Sorge wegen des Kopfsteinpflasters. Seine Begleiter fuhren für ihn einfach zu schnell. Er hatte dort schon kein gutes Gefühl mehr. Aber Augen zu und durch. Was soll's. Unter wilden Anfeuerungsrufen seiner Familie passierte er Kilometer 14. Kurz zuvor hatte er auch die beiden vor sich ziehen lassen müssen. Christian konnte sich nicht erklären, warum diese denn auf einmal so viel schneller waren als er. Doch bei Kilometer 18 dämmerte es ihm langsam. Er musste einen schleichenden Platten haben, zumal die Fahrt immer unruhiger wurde. Bei Kilometer 20 war dann die Luft des Vorderreifens total draussen und Christian musste schon allein wegen der Sorge, seine Felge völlig zu demolieren, aufgeben.
Foto rechts oben: Christian Triendl am Start; Foto links: Christian Triendl im Hintergrund, an der Spitze Paralympicssieger Alessandro Zanardi

Nun stand er da. Es regnete in Strömen. Er wusste nicht genau, wie er auf kürzestem Wege ins Ziel kommen sollte und es war auf einmal saukalt. Aber schließlich hatte er sein Telefon dabei. Also schnell rausfingern und Chiara, die ja den Streckenplan bei sich hatte, anrufen. Genialer Plan, allerdings mit einem Fehler. Das Telefon funktionierte leider nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit von etwa 20 Minuten kam dann ein Radfahrer vom Orga-Team vorbei, der ihn über einen Abkürzer von Kilometer 20 auf Kilometer 37 brachte und schließlich im Ziel ablieferte.
Eine wahrliche Schmach für Christian! Da sie ja auch einen Teil der Rennstrecke nutzen mussten und er mit 5 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit ins Ziel eiern musste unter den stürmischen Anfeuerungsrufen der Zuschauer, die ja dachten, er wäre immer noch im Rennen. Nachdem er zuerst das Kopfsteinpflaster, dann Rom und schließlich ganz Italien mit nicht näher zu beschreibenden Flüchen (bayerisch oder italienisch?) eingedeckt hatte, beruhigte er sich langsam wieder und kehrte ausgefroren und traurig ins Hotelzimmer zum Umziehen zurück.
Einziger Trost für Christian war, dass von 82 gestarteten Fahrern lediglich 35 ins Ziel gekommen sind. Er war leider nicht dabei. Im Nachgang war es aber trotz der Enttäuschung ein schönes Rennen. Sicher nicht das letzte für ihn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Im Regen über die Piazza Venezia                                              Alessandro Zanardi ganz einsam an der Spitze

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