Heidelberger Rollstuhl-MAXI-Marathon - Glück im Unglück

Am 13. Heidelberger Rollstuhl-MAXI-Marathon am 05.07.2015 nahmen vom RSLC Holzkirchen Christian Triendl und Manuel Scheichl teil.

Hier der engagierte Bericht von Christian Triendl:
"Bei gut 40 Grad 30cm über dem Asphalt, begann um 11.00 Uhr der Heidelberger Rollstuhl Marathon, seines Zeichens eine der größten Handbikeveranstaltungen im Deutschen Rennkalender. 159 Anmeldungen für die Marathon Veranstaltung über 42,5 Kilometer plus 2 Kilometer waren eingegangen.
Wegen der großen Hitze hatten sich aber einige Fahrer dafür entschieden nicht zu starten, was nicht sonderlich verwunderlich ist. Man muß nämlich wissen, dass man bei Querschnittslähmungen nur noch oberhalb der Lähmungshöhe schwitzt, was vereinfacht gesagt heißt, dass z.B. ich nur noch bis knapp unterhalb der Brust schwitzen kann, der Rest des Körpers hat diese Funktion nicht mehr. Noch viel schlimmer ist es bei Halswirbel-Gelähmten, die praktisch nur noch über dem Kopf schwitzen können, und wo es bei solchen Temperaturen dann wirklich gefährlich werden kann.


Nichts desto trotz wagten sich immer noch gut 120 Fahrer in das Abenteuer und begaben sich auf die Strecke.
Ich mitten drin mit einem einigermaßen guten Startplatz im mittleren Drittel des Feldes. Wobei man der Orga den Vorwurf machen muß, dass es nicht gut ist, nur 30 Fahrer zu listen und der Rest kann schauen, wo er bleibt. Das sorgt nämlich schon vom Start weg für gehörige Spannungen zwischen den Fahrern, weil jeder weiß, dass er weg ist vom Fenster, wenn er vom Start weg keine gute Gruppe erwischt. In Anbetracht der vielen Engstellen und der teilweise sehr hohen Geschwindigkeiten wird’s dann für Mann und Material sehr gefährlich. Das ist bei einem ebenso großen Fahrerpulk wie z.B. Berlin wesentlich besser gelaufen. Klar, mich hat es diesmal erwischt und darum bin ich im Nachhinein wesentlich empfindlicher, doch ich denke, dass mir viele Fahrer recht geben werden.
Egal Start, zuerst mal dranbleiben, einsortieren und die erste gefährliche Stelle gut meistern. Es schepperte links und rechts von mir, weil immer wieder Fahrer mit den hinteren Reifen aneinander gekommen sind. Dann geht es rund 10 Kilometer gerade aus, allerdings nur auf einer Fahrspur, rechts begrenzt durch Pylonen und links begrenzt durch den Randstein. Ein ums andere mal Positionskämpfe und teilweise drei Fahrer nebeneinander. Ich liege zu diesem Zeitpunkt relativ gut um den 40. bis 50. Platz rum mit Fahrern aus meinem Leistungsniveau. Der Pulk mit rund 20 bis 30 Fahrern rast mit rund 40 Sachen dem nächsten Wendepunkt in Neckargmünd entgegnen. Pylonen fliegen von der Straße, es scheppert und kracht... hat schon fast was von einem römischen Pferderennen. Dann passiert es bei gut 35 bis 40 km/h: Der Fahrer rechts vor mir wird in einem Positionskampf nach rechts außen gedrängt, er fährt mit Vollgas über eine Begrenzungspylone und überschlägt sich seitlich. Bremsen unmöglich! Ich ziehe nach links, kann jedoch einen seitlichen Aufprall nicht mehr verhindern, krache mit dem Kopf auf sein Hinterrad und schlittere seitlich liegend wie ein Bobfahrer noch einige Meter weiter. Erster Blick auf die Füße: Puh, die sind noch da, wo sie sein sollen. Außer Abschürfungen, einem Achter im Hinterrad und eine ausgesprungene Kette scheint alles O.K. zu sein. Mein Mitstreiter liegt halb auf den Boden, aber ihm scheint es einigermaßen gut zu gehen. Also aufrichten und weiter. Scheiße! Die Kette ist vorne voll verwurschtelt und ich komme nicht an die vorderen Ritzel hin. Wild winkend halte ich gefühlt das 20. Auto auf. Der junge Mann hilft mir bereitwillig beim Einfädeln der Kette. Ich kann weiterfahren. Irgendwie spiele ich mit dem Gedanken aufzugeben. Ältliche Fahrer haben mich überholt und ich bin fast am Ende des Feldes.
Doch ich entscheide mich weiterzufahren und kämpfe mich die nächsten 30 Kilometer alleine durchs Feld bis auf Rang 66 schaffe ich es noch. Mich holt zum Schluss noch eine kleine Gruppe ein. In deren Windschatten geht es die letzten 5 Kilometer ins Ziel. Geschafft..gerillt..am Ende .
Schade, wäre viel mehr drin gewesen. Bin aber froh, dass bis auf ein paar Kratzer und eine lädierte hintere Felge nicht viel passiert ist."

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